Exotische Früchte im Obstgarten

 


Der Klimawandel macht’s möglich – immer mehr exotische Obstarten erobern unsere Gärten. Blaue Gurken, grüne Würste, lila Schoten und orange Riesentomaten erweitern optisch, aber auch geschmacklich die heimische Obstvielfalt.

Fruchtgehölze, die vor wenigen Jahren nur als Topfpflanzen die strengen, nassen österreichischen Winter mit Temperaturen bis unter –20 °C überlebten, gedeihen nun im Freien ganz hervorragend.

Kiwi und Feigen (Ficus carica) stehen schon seit Jahren auf dem Wunschzettel österreichischer Gartenbesitzer* innen. In Gebieten mit Weinbauklima ist das schon länger möglich, und seit der Einführung der bei uns absolut winterharten Bayern-Kiwi (Actinidia arguta) können wir überall wohlschmeckende Kiwibeeren ernten. Ausgepflanzte Feigen froren früher regelmäßig bodennah zurück, wodurch die Blüte spät ansetzte und die Früchte nicht genug Zeit zum Ausreifen hatten. Selbst in den nördlichen, kälteren Regionen überstehen Feigen den Winter nun ohne gröbere Frostschäden, wodurch regelmäßige Ernten immer öfter möglich werden.

Kaki und Indianerbanane

Eine weitere mediterrane Frucht, die unsere Gärten erobert, ist die Kaki (Diospyros kaki). Optisch wie eine überdimensionale orange Tomate, erinnert der Geschmack der herrlich süßen Früchte an eine Mischung aus Birne und Marille. Im Handel sind mittlerweile viele Sorten mit unterschiedlichem Geschmack und in verschiedenen Größen erhältlich.

Etwas weniger bekannt, gut winterhart und aufgrund der sehr wohlschmeckenden Früchte immer öfter in unseren Hausgärten zu finden, ist die Pawpaw (Asimina triloba) – auch Indianerbanane genannt. Unter der wurstartigen grünen Schale verbirgt sich das gelbe, cremige Fruchtfleisch mit tropischem Geschmack nach Mango, Banane und Melone: Es lässt sich einfach auslöffeln. Kaum zu glauben, dass Indianerbananen bereits seit 35 Jahren in Österreich angepflanzt werden.

Blaue Gurken und Spaltkörbchen

Wirklich außergewöhnlich sind die Früchte des Blaugurkenbaums (Decaisnea fargesii). Man braucht schon etwas Mut, um die blitzblauen, bis zu 20 cm langen Schoten zu verkosten. Doch sie können geschmacklich überzeugen – das gallertartige Innere hat einen leicht süßlichen Geschmack, der besonders in Westchina geschätzt wird.

Ähnlich skurril und blau sind die Früchte des Blaugurken-Weins (Akebia quinata). Die bis zu 12 Meter rankende, fünfblättrige Schlingpflanze hat schöne Blüten und schmackhafte Balgfrüchte. Diese sind bis 10 cm lang, bläulich bereift und haben ein weißes Fruchtfleisch. Bei Vollreife im Oktober platzen sie auf und geben die schwarzen Samen frei. Das Fruchtfleisch schmeckt ähnlich wie das einer Kiwi.

Ebenfalls noch eine Rarität in unseren Gärten ist eine linkswindende Kletterpflanze: das Chinesische Spaltkölbchen (Schisandra chinensis), auch Fünf-Aroma-Frucht genannt – für süß, sauer, bitter, salzig und scharf. Dieser Name macht neugierig auf das exotische Gewächs, das als Superfood und Heilpflanze immer beliebter wird. Die ährenartigen, hängenden Trauben erinnern an rote Ribiseln. Das Gehölz ist vollkommen frosthart, Temperaturen unter –30 °C werden problemlos weggesteckt.

Duft nach Karamell und Bratäpfeln

Vom eigenen Schlaraffenland träumen nicht nur Kinder – mit der pflegeleichten Karamellbeere (Leycesteria formosa) wird das beinahe Wirklichkeit. Von Juni bis September entwickelt sie farbenfrohe, ährenförmige Blüten mit bezauberndem Duft nach Karamell. Auch die imposante Herbstfärbung des Strauches ist wahrhaft beeindruckend. Aus den Einzelblüten bilden sich im Laufe des Jahres rote, zum Ende der Reife beinahe schwarze Beeren, die sich durch einen bitteren (nicht vollständig reif) bis karamellartigen (vollreif) Geschmack auszeichnen.

Wer das Aroma von Bratäpfeln liebt, sollte in seinem Garten eine Jujube (Ziziphus jujuba) pflanzen. Sie ist zwar bei uns noch kaum bekannt, doch in ihrer Heimat China so populär, wie es Äpfel bei uns sind. Kein Wunder, erinnert ihr Geschmack mit milder Süße und einer leichten Säure doch an Bratäpfel. Die Jujube. auch Chinesische Dattel oder Brustbeere genannt, überzeugt zudem mit ihren zahlreichen kleinen Blüten, die einen angenehm dezenten Geruch verströmen. Im Herbst leuchten die Blätter in goldgelber Färbung. Die Jujube ist bis –20 °C frosthart.

Winterharter Zitrus

Für mediterranes Flair im Garten sorgen Zitrusgewächse, die aber leider nicht winterhart sind. Optischen Ersatz bietet die Bitterorange (Poncirus trifoliata), auch Dreiblättrige Orange oder Dreiblattzitrone genannt. Der kleine Strauch mit den bedornten Trieben gehört heute zwar einer eigenen Gattung an, ist mit den Arten der Gattung Citrus aber sehr eng verwandt und von diesen aus der Ferne kaum zu unterscheiden. Die winterharte Bitterorange liefert Früchte, die tatsächlich aussehen wie Orangen oder Mandarinen. Dreiblattzitronen sind zwar essbar, schmecken allerdings sehr sauer und leicht bitter.

Fazit: Wer in seinem Garten gerne Nicht-Alltägliches ernten oder Gäste mit frischen exotischen Früchten überraschen möchte, findet eine große Auswahl im gärtnerischen Fachhandel. Staunässe sollte man bei allen Pflanzen vermeiden und ein leichter Winterschutz (z. B. Gartenvlies) kann die Pflanzen vor kurzzeitigen Extremfrösten schützen. Vor allem Spätfröste können Jungtriebe schädigen und die Ernte mindern oder ganz vernichten.

 

Klaus Strasser, Gartenfachberater und Betreiber des Obst-Sorten-Garten Ohlsdorf OSOGO