Ein Turm für den Wurm

 


Fleißige Kompostwürmer haben Küchenreste zum Fressen gern und verwandeln ihr Futter dabei in Dünger für Pflanzen im Zimmer, auf dem Balkon oder im Garten.

Ein Komposthaufen findet sich heute in fast jedem Garten; das Besondere an Wurmkompostern ist allerdings, dass diese auch auf dem Balkon oder sogar im Wohnraum aufgestellt werden können.

Die Investitionen dafür halten sich in Grenzen: Ein Wurmkomposter mit mehreren Ebenen lässt sich einfach und kostengünstig selbst zusammenbauen. Wer sich das nicht zutraut, kann sich natürlich auch für eine fertige Wurmkiste entscheiden, die es im Baumarkt, im Gartencenter oder übers Internet zu kaufen gibt.

Wurmkomposter selbst bauen

Wie der Name schon sagt, wird bei sogenannten Ebenenkompostern auf mehreren „Etagen“ kompostiert. Ganz unten befindet sich ein Auffangbehälter, in dem die Sickerflüssigkeit aufgefangen wird, die beim Kompostieren entsteht – ein hervorragender Flüssigdünger. Darauf kommen meist drei weitere Ebenen, die nach und nach mit Kompostgut gefüllt werden. Durch Löcher im Boden jeder Ebene können die Würmer von einer Etage zur anderen wandern, denn sobald die Tierchen die Abfälle auf einer Ebene fertig zersetzt haben, übersiedeln sie nach oben zu den frischen Abfällen. Nachdem der fertige Wurmhumus unten entnommen wurde, wird die entleerte Etage jeweils wieder oben aufgesetzt. Weil sich die Würmer immer beim Futter aufhalten, gehen bei der Entnahme kaum Würmer verloren.

Bei vier Ebenen verteilt sich der Prozess so:

• Ganz oben kommen die orgnischen Küchen- und Pflanzenabfälle hinein.
• Darunter gibt es ausreichend Lebensraum für die Vermehrung der Würmer.
• Darunter sammelt sich ausgereifter Wurmkompost.
• Ganz unten befindet sich das Sammelbecken für den Wurmtee (Flüssigdünger).

Gelebter Umweltschutz

In einem Wurmkompost herrscht eine perfekt aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaft aus Kompostwürmern, Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen. Unter optimalen Bedingungen sind alle darum bemüht, organische Abfälle in wertvollen Humus zu modifizieren. Es herrschen hier ähnliche Bedingungen wie im Komposthaufen im Garten, allerdings ist das organische Material sehr viel dichter mit Individuen besetzt. Das Resultat ist ein schnellerer Ablauf der Rotte, ohne dass dabei unangenehmer Geruch entsteht. Eine Umsetzung zur Belüftung ist nicht notwendig.

Die Kompostwürmer

Die am häufigsten eingesetzten Kompostwürmer, Eisenia fetida, werden ungefähr 10 cm lang, haben einen rötlichen Körper und eine gelbe Schwanzspitze. Andere Wurmarten, die sich gut für die Abfallverwertung eignen, sind der rötliche Eisenia andrei und der Riesenrotwurm Eisenia hortensis. Letzterer ist etwas größer und länger und vertilgt problemlos auch Papier und Karton.

Kompostwürmer, auch Mist- oder Stinkwürmer genannt, besiedeln die oberen Bodenschichten; dort finden sie genügend organisches Material, von dem sie sich ernähren, wie Laub oder Pflanzenreste. Ein ausgewachsener Kompostwurm ist immer hungrig und kann an einem Tag die Hälfte seines Körpergewichtes vertilgen. Bei 20 bis 25 °C fühlen sich die Tiere am wohlsten; heiße Temperaturen von über 30 °C vertragen sie nicht.

Speisekarte der Würmer

In den Wurmkomposter dürfen organische, nicht gekochte Küchenreste und ein paar weitere „Spezialitäten“: Obst- und Gemüseabfälle sind die klassischen Zutaten, aber auch Brot und fein gemahlenes Getreide lässt sich gut kompostieren, wenn es zuvor angefeuchtet wurde. Gartenabfälle und Grünschnitt wie Gras und Klee erhöhen den Stickstoffgehalt im Wurmkomposter. Kaffeesud darf samt ungebleichtem Filter hinein. Auch Teebeutel sind kompostierbar, selbstverständlich ohne Metallklammern. Die Würmer freuen sich sogar über Pappe und Papier, allerdings darf dieses Material nicht mit Schwermetallen belastet sein – also kein farbiges oder glänzendes Papier, aber durchaus Eierschachteln und Pizzakartons, die man am besten vorher gut einweicht und ausdrückt. Eierschalen sollten klein gemörsert werden.

 

Leopold Prammer, Gartenfachberater und Obmann SV Pregarten/red korger